4060/260 Friedhofskirche
Symbol: Große Grubenlampe (Idee: Pfr. Peter Häusler, Christa Rinner; Künstler:       Siegfried Drexler, Schlossermeister, Schwandorf, Bergknappenverein Ponholz)

 Das Modell einer überdimensionalen Grubenlampe („Deutsche Markscheider-Karbidlampe“) erinnert an die Zeit des Bergbaus in Maxhütte. Jahrzehntelang haben Bergknappen mit dieser Tätig-keit ihrem Leben einen Sinn gegeben, verbunden mit Mühsal und Leid, aber auch mit Verantwortungsbewusstsein und mit dem Dienst an den Mitmenschen.


„Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche, um mit 65 in den Ruhestand zu gehen und fünf Jahre später abzukratzen? Warum soll ich mich noch anstrengen, irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich doch für‘n Arsch ist, weil ich früher oder später krepiere?! Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiß ich nicht alles. Aber wozu?
Sind Sie wegen dieser Worte jetzt schockiert? Ich hoffe es!
Sie stammen von dem 18-jährigen Amokläufer aus dem westfälischen Emsdetten, der am 20. November 2006  37 Menschen in einer Realschule teilweise schwer verletzt und sich anschließend auf schreckliche Weise selbst gerichtet hat. Motiv für die Tat: „Allgemeiner Lebensfrust“!
Dieser Fall macht in drastischer Weise deutlich, wie wichtig es ist, dass wir einen Sinn in unserem Leben sehen. Die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens ist deshalb eine Frage, die man sich nicht erst am Lebensende stellen sollte, sondern bereits in der „Blüte“ des Lebens oder noch besser, schon in ganz jungen Jahren.
Ein Sprichwort sagt: „Wir leben nicht, um zu arbeiten, sondern wir arbeiten, um zu leben“. Besonders Menschen, die arbeitslos sind, spüren, dass ihnen etwas fehlt, dass sie etwas brauchen, um ihrem Leben Sinn zu geben, dass Arbeit ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist.
Im Lauf der Geschichte hatte das Wort „Arbeit“ verschiedene Bedeutungen:
Das Alte Testament verstand unter dem hebräischen Wort עבודה (abodah) - „Arbeit“ - die Tätigkeit eines Knechtes.
Bei den Griechen hieß „Πόνος“ (Ponos) Mühsal, Leid (französisch: „peine“, deutsch: „Pein“).
Das lateinische „labor“ bedeutet Drangsal, Leid, Kriegsmühen. Cicero erklärte in seinem Buch „De Officiis“: „Wer um Geldes willen arbeite, habe eine sklavische Gesinnung“.
Im Neuen Testament gilt Arbeit nicht mehr als Tätigkeit eines Knechtes, sondern hat die Bedeutung des dankbaren Dienens: Arbeit im Dienste Gottes und des Menschen.
Und Paulus wertet die Arbeit sogar zu einer Tugend auf, wenn er in seinen Briefen an die Thessalonicher schreibt: Wer arbeitsfähig ist, solle sich selbst ernähren; nur wer dazu nicht in der Lage ist, wird unterstützt. (1 Thess 4,11; 2 Thess 3,10-12)
Später, während der industriellen Revolution, erhält Arbeit einen gesellschaftlichen Nutzwert (im Gegensatz zum Adel). Sie wird materiell und personell zum Sinn des Lebens.
Der Arbeitslose oder Frühpensionär ist hier in den meisten Fällen überflüssig. Und so fühlt er sich auch - nicht weil ihm das Brot fehlt, sondern weil der Mensch für Brot allein nicht arbeitet.
Aber nicht nur die Arbeitslosen sind gezwungen, sich mit dem Sinn der Arbeit auseinander zu setzen. Gerade auch Menschen in Führungspositionen und in Berufen, die mit sehr viel Stress und Verantwortung verbunden sind, stellen sich diese Frage. Andere wiederum finden keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit, sondern empfinden sie als Last. Unzufriedenheit und Krankheit sind mögliche Anzeichen dafür, dass sie keinen Sinn mehr sehen in ihrem Leben und in ihrer Arbeit.
Studien haben gezeigt, dass es vor allem von der Einstellung der Person abhängt, inwieweit die Arbeit als sinnvoll empfunden wird. Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung, inwieweit die Arbeit und der Beruf als innere Berufung empfunden wird.
Menschen, die in Berufen tätig sind, in denen sie ihren Neigungen nachgehen können, z.B. Künstler, Forscher, Handwerker, erleben ihre Arbeit sinnvoller als z.B. viele Büroangestellte in großen Organisationen.
„Arbeit und Sinn des Lebens“ – so lautet das Thema dieser Station des ökumenischen Besinnungsweges.
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer sah den Sinn des Lebens vor allem in der Nachfolge Christi: „Wir meinen, weil dieser oder jener Mensch lebt, habe es auch für uns Sinn zu leben. In Wahrheit ist es aber so: Wenn die Erde gewürdigt wurde, den Menschen Jesus zu tragen, wenn ein Mensch wie Jesus gelebt hat, dann und nur dann hat es für uns Menschen einen Sinn zu leben ... Der unbiblische Begriff des Sinnes ist ja nur eine Übersetzung dessen, was die Bibel ‚Verheißung‘ nennt.“
Diese „ökumenischen Gedanken“ mögen Sie, liebe Wanderer und Pilger, auf dem Weg zur letzten Station an der evangelischen Segenskirche (oder von dort her zur nächsten Station) begleiten.
Peter Häusler, Pfr.

 

„Man hat die Arbeit ihres naturgemäßen Sinnes entkleidet und sie entpersönlicht“

(Pater Josef Kentenich, Gründer der Schönstattbewegung)